Neue Publikation über geschichtspolitische Umbrüche im postsozialistischen Europa
Insbesondere seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ist die Gedenkstättenarbeit verstärkt herausgefordert, sich dazu zu positionieren. Umso wichtiger ist eine fundierte Auseinandersetzung mit erinnerungskulturellen Transformationen in diesen Ländern. Die neue Publikation in der Reihe Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung beschäftigt sich daher mit genau diesem Thema. Zwölf Autor*innen zeichnen die Konfliktlinien nach, die sich aus unterschiedlichen Narrativen zum Zweiten Weltkrieg und der NS-Verfolgung seit dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten ergeben. Das Heft beginnt mit einem Überblick zu der von Nationalisierung, Geschichtsumdeutung und Opferkonkurrenz geprägten Entwicklung der Erinnerungskulturen im postsozialistischen Raum Europas nach 1990. Es folgen Schwerpunktsetzungen auf das Baltikum und Russland, die Ukraine, Belarus, das ehemalige Jugoslawien und Polen. Auch werden die Herausforderungen für Gedenkstätten und Museen in Deutschland dargestellt, die sich mit den an Menschen aus dem östlichen und südöstlichen Europa begangenen NS-Verbrechen befassen. Daraus resultieren Veränderungen im Umgang mit Denkmälern an den historischen Orten, hinsichtlich der Forschungsperspektiven zur deutschen Besatzungspolitik und deren Opfern sowie der Präsentationsformen in Ausstellungen.
Heftverantwortliche sind Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen, und Oliver von Wrochem, Vorstand der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte.
Die Publikation ist im Buchhandel, in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme oder online zu erwerben: Im Shop finden sich weitere Informationen zu den Inhalten der einzelnen Artikel.
- Ljiljana Radonić: Nationen und Erinnerungskulturen im postsozialistischen Raum Europas nach 1990. Nationalisierung, Geschichtsumdeutung und Opferkonkurrenz
- Katja Makhotina: Das neue Wohlbehagen am Nationalismus. Aktuelle Entwicklungen der Erinnerungskulturen in Osteuropa
- Iryna Kashtalian: Die Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkrieges im heutigen Belarus
- Ihor Dvorkin: Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in der Ukraine
- Gal Kirn: Nationalisation of memory in late Yugoslavia and Slovenia: Demonisation of antifascism and national reconciliation
- Eva Hasel: Geschichte zwischen den Fronten. Erinnerung als politisches Instrument an KZ-Gedenkstätten in Kroatien und Serbien
- Stephan Lehnstaedt: Die Umbrüche in der polnischen Gedenk(stätten)kultur nach 1990 und ihre Auswirkungen auf Deutschland
- Stefanie Endlich: Memorialkultur und Geschichtsdeutungen in KZ-Gedenkstätten. Zum Umgang mit nationalen Zuschreibungen in Gedenkzeichen am Beispiel sowjetischer Häftlinge
- Alexandra Köhring und Oliver von Wrochem: Denkmalkritik im Zeichen zeitgenössischer Geschichtspolitik. Zur Erweiterung des internationalen Mahnmals in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
- Jörg Morré: Die Überwindung des Sowjetischen. Erfahrungen des Museums Berlin-Karlshorst
- Dieter Pohl: Forschungsperspektiven zur deutschen Besatzung vor dem Hintergrund der Umbrüche im östlichen Europa
- Enrico Heitzer: Solidarität von Gedenkstätten. Das "Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine" und die "Hilfe für aus Russland Geflüchtete"